Heute im Bahnhof

Nachts ist der Bahnhof ein völlig anderer Ort als tagsüber. Gut, die Punks sind den ganzen Tag da, nur sind sie nachts breiter. Es herrscht keine geschäftige Hektik. Es herrscht Ruhe. Nur ein paar Übriggebliebene schlurfen durch die Osthalle.

Ich mag auch die Menschen, die nachts im Bahnhof arbeiten. Zum Beispiel der Mann, der mit seinem kleinen gelben Elektrowagen durch die Gänge fährt, das den Dreck wegmacht, den wir tagsüber hineingetrampelt haben. Es hat sogar ein Blaulicht - nur, dass es nicht blau ist, sondern orange. Aber es blinkt. Immerhin.

Wenn ich ein kleiner Junge wäre, würde ich den Mann wohl um seinen Job beneiden. Ich meine, hey: Das ist fast wie Autoscooter fahren. Nur ohne andere Autos, die dich anrempeln. Hm.

Alle paar Meter (der gelbe Elektrowagen fährt auch deutlich langsamer als ein Autoscooter) dreht er sich um. Er guckt, ob sein Kollege noch hinterherkommt. Ein älterer Mann mit Knollennase, der mit gesenktem Kopf hinter ihm hertrottet, einen Besen in der Hand. Wahrscheinlich muss er wegmachen, was der kleine gelbe Elektrowagen übrig lässt.

Ich frage mich: Sind die Aufgaben klar verteilt? Steht im Vertrag des einen Mannes: Fährt den kleinen gelben Elektrowagen? Und in dem des anderen: Trottet teilnahmslos hinterher? Oder losen die beiden jeden Abend vor Dienstantritt?

Es sieht so aus, als würde der Mann mit der Knollennase oft verlieren.

8.7.09 23:02

Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


500beine / Website (19.8.09 11:32)
schön geschrieben. klar, einfach. klingt nach mehr. kommt da noch was?

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen